Kartchner Caverns, AZ – Big Room Tour

Schon der erste Versuch einer Tour durch die Kartchner Caverns war ungewöhnlich. Wir hatten die Tour-Tickets schon in der Hand, als es plötzlich hieß: „Alle Touren abgesagt!“ Was war passiert: durch ca. 20 cm Neuschnee kam die Tram nicht die Rampe hoch – die erste Tour hatte es zwar hoch und in die Höhle geschafft, musste dann aber mit 4-Wheel Pickups wieder herunter geholt werden.

Am nächsten Morgen funktionierte aber alles wie es sollte. Fleißige Volunteers und Ranger hatten die Rampe eisfrei gemacht, und die Tram konnte uns problemlos zum Höhleneingang bringen. Mit der Bahn fuhren wir an dem ursprünglichen Sinkhole, das Randy Tufts, dem Entdecker als ersten Hinweis auf die Höhle gedient hatte.

Ursprünglich hatten wir die Rotunda/Throne Tour gebucht; am nächsten Tag nahmen wir stattdessen an der Big Room Tour teil, da sie um 8:15 die erste am Tag war und wir an diesem Tag weiter fuhren.

Mehrere Touren werden jeden Tag angeboten:

-Die 0,5 Meilen lange, 1 1/2 stündige Rotunda/Throne Tour; von den 90 Minuten befindet man sich 50 Minuten in der Höhle. Hier geht man den Original Weg und kann die große, 5 Stockwerk hohe Formation Kubla Khan betrachten,

-und die 0.5 Meilen langen, 1,75 stündige Big Room Tour (75 Minuten unter der Erde), die von Mitte Oktober bis Mitte April angeboten wird mit einem Mindestalter von 7 Jahren.

Dann gibt es noch die Saturday Helmet & Headlamp Tour, (0,5 Meilen, 1.25 Stunden), bei der die Besucher im Dunkeln die Höhle begehen, nur mit Helm und Kopflicht ausgestattet, so wie die Entdecker der Höhle 1974. Diese Tour wird, wie der Name schon sagt, derzeit nur Samstags angeboten wird.

Die Phototour, die für zwei Stunden stolze 125 $ kostet, wird nicht immer angeboten.

Randy Tufts und Gary Tenen entdeckten die Höhle 1974. Randy kannte die Gegend seit seiner Kindheit; eines Tages kam er mit seiner Freundin zu einem romantischen Picknick und entdeckte ein Loch, aber er durfte noch nicht graben: romantisches Picknick eben!

Am nächsten Wochenende kam er wieder, mit Gary, Freund und Zimmernachbar an der Universität von Arizona. Sie gruben und entdeckten ein Windloch, aus dem die Höhlenluft herausgeblasen wurde. Sie erweiterten das Loch mit Hammer und Meißel, und krabbelten 130m durch einen extrem engen Tunnel und entdeckten dahinter die Höhle. Die eigentliche, sehr schöne Geschichte ist aber, wie sie es geschafft haben, für ihr Höhlenprojekt die genau richtige Unterstützung zu organisieren.

Die Kartchners, auf deren Grund die Höhle liegt, waren zusammen mit dem NPS sehr engagiert, die Höhle als öffentliches Gut gegen Raubgräber und Vandalen zu schützen und für künftige Generationen möglichst originär zu erhalten. Der damalige Gouveneur von Arizona war selbst Geologe – ein weiterer Glücksfall, denn so schnell wurde noch kein neuer Park durch das Verfahren geschleust.

Der Zugang zur Höhle wurde von einer Arizona Mining Corp geschaffen, nur war der spezielle Kalkstein viel härter und schwieriger zu bearbeiten als erwartet: aus dem geplanten 8 monatigen Projekt wurden 24 Monate, denn man musste doch Dynamit zum Tunnelgraben einsetzen und als man der eigentlichen Höhle nahe kam, musste der Rest des Tunnels in Handarbeit mit Hammer und Druckluftmeißel ausgeführt werden. Vor dem Visitor Center erinnern ein paar alte Werkzeuge, fotogen in Steine einzementiert, an diese Mühen.

Die Höhle hat eine konstante Temperatur von 15 °C und fast 100% Luftfeuchtigkeit. Damit die Besucher diese spezielle Atmosphäre nicht stören, ist sie nach außen durch eine Reihe von Türen hermetisch abgeschlossen. Alle Wege und die Beleuchtung ist minimal invasiv gestaltet und angelegt, um die Höhle für nachfolgende Generationen möglichst unverändert zu erhalten. Auf der anderen Seite sind die KARTCHNER CAVERNS eine der wenigen Höhlen, die man im Rollstuhl besuchen kann. Die Vielfalt der durch CO2 und Kalklösen und -abscheiden entstandenen Formen ist beeindruckend. Stalaktiten und -miten kannten wir schon; Straw werden hier die innen hohlen, teilweise bis zu 1,5 m langen Röhrchen aus Kalk genannt, aus denen sich in Jahrtausenden die massiven Stalagmiten entwickeln. Außerdem gab es blattartige Strukturen (draper), wenn sie verschieden gefärbte Streifen haben, nennt man sie -sehr anschaulich Bacon. Dann gibt es noch das Popcorn, eine kugelartige, verteilte Kalkform. Bei vielen dieser Strukturen ist der Entstehungsmechanismus weitgehend unklar und nicht verstanden, kein Wunder, da manche 80000 Jahre Zeit gehabt haben, das Geheimnis zu verstecken.

Teilweise sieht man auch große Stalagmiten, die umgefallen sind, dadurch den Kontakt zu ihrer Wasserversorgung verloren haben und nicht mehr weiterwachsen. Durch Altersbestimmung mit der Uran-Thorium-Methode versucht man, die verschiedenen Vorgänge einzuordnen. Um die Höhle zu schützen, sind alle Fotoapparate, Handys und Taschenlampen verboten.

Die Präsentation durch Julie, unseren Tourguide, hat mir sehr gut gefallen: Sie war Grundschullehrerin und die Mischung aus eigener Begeisterung über die Schönheit der Höhle und eine bildhafte und kenntnisreiche Beschreibung ergab einen tollen Gesamteindruck. Sehr empfehlenswert!!


Kartchner Caverns Statepark