04/2026

Der Hot Springs National Park ist ein ungewöhnlicher Ort im US‑Nationalparksystem. Er ist nicht nur einer der ältesten geschützten Naturorte der USA, sondern auch ein urbaner Nationalpark – einer der wenigen Parks, die mitten in einer Stadt liegen. (Der einzige andere urbane Nationalpark ist der Gateway Arch National Park in St. Louis, Missouri).
Schon 1832 stellte der US‑Kongress das Gebiet unter Schutz, aber erst 1921 erhielt es den offiziellen Status „National Park“, womit Hot Springs das älteste dauerhaft geschützte Gebiet im gesamten Nationalparksystem ist.
Die Mischung aus Thermalquellen, historischen Badehäusern und bewaldeten Hügeln macht ihn zu einem Park, der sich ganz anders anfühlt als die klassischen „Wilderness Parks“, wie wir sie kennen.
Das Thermalwasser ist über 4.000 Jahre alt. Es sickert tief in die Ouachita Mountains, wird dort erhitzt und steigt dann wieder auf. Mit einer Temperatur von etwa 62°C kommt es natürlich steril an die Oberfläche – ein Grund, warum es seit Jahrhunderten als Heilwasser genutzt wird.
Im 19. und frühen 20. Jahrhundert galt Hot Springs als medizinisches Mekka. Ärzte verschrieben „Badekuren“ gegen Rheuma, Hautkrankheiten oder Verdauungsprobleme. Die Badehäuser boten Dampfkabinen, elektrische Bäder, Massageräume, Inhalationsräume und sogenannte „Needle Showers“ (Hochdruck‑Duschstrahlen).
Heute sind nur noch zwei Badehäuser in Betrieb, doch die gesamte Bathhouse Row ist ein lebendiges Museum.
Hot Springs selbst ist keine typische Nationalparkstadt. Glücksspiel, Gangster, Pferderennen und prominente Besucher prägten ihre Vergangenheit. Al Capone, Babe Ruth und sogar Präsidenten waren hier Stammgäste. Die Kombination aus Thermalbädern, Pferderennen und Nachtleben machte die Stadt berühmt.
Heute zeigt sich Hot Springs als sehr gut besuchte Stadt, eine Mischung aus Art‑Deco‑Architektur, modernen Bars, Breweries, Boutiquen, vielen Hochzeitsgesellschaften und auffällig vielen Posern, die mit ihren Autos durch die Straßen dröhnen.
Man sollte sich unbedingt genügend Wasserbehälter mitbringen: das Wasser aus den öffentlichen kostenlosen Zapfstellen schmeckt tatsächlich ausgesprochen gut, weil es natürlich gefiltert, extrem mineralreich und komplett bakterienfrei ist, da es so heiß aus dem Boden kommt.
Das Visitor Center
Das Visitor Center der Stadt befindet sich im ehemaligen Fordyce Bathhouse. In einem kostenlosen Rundgang erhält man einen Eindruck der damaligen Badekultur.
Bathhouse Row
Die Bathhouse Row ist eine Reihe historischer Badehäuser aus dem frühen 20. Jahrhundert. Sie wurden direkt über natürlichen Thermalquellen errichtet, deren Wasser unmittelbar genutzt wurde. Heute stehen die Gebäude unter Denkmalschutz; einige sind noch in Betrieb, andere dienen als Museum oder Besucherzentrum.
Im Fordyce Bathhouse – dem Visitor Center – kann man den ursprünglichen Ablauf eines Badebesuchs nachvollziehen. Typische Bereiche waren:
Eingang und Empfang: Anmeldung, Zuteilung von Badekabinen
Umkleideräume: getrennt nach Geschlecht, mit Spinden
Baderäume: Wannen mit individuell befülltem Thermalwasser
Dampfräume: heiße, feuchte Räume zur Förderung der Durchblutung
Massageräume: manuelle Behandlungen
Ruheräume: Erholung nach dem Bad
Therapiebereiche: Packungen, hydrotherapeutische Anwendungen.
Sobald man die Bathhouse Row verlässt, beginnt der bewaldete Teil des Parks. Die Hügel bieten rund 26 Meilen Wanderwege, Aussichtspunkte und ruhige Waldabschnitte – überall sind Hunde erlaubt.
Superior Bathhouse Brewery
Direkt am Ende der Bathhouse Row befindet sich außerdem die gleichnamige Brauerei.
Gangster Museum of America
Das hochgelobte Gangstermuseum empfand ich als enttäuschend. Es erzählt die Geschichte der berüchtigten Gangsterzeit der 1920er‑ und 1930er‑Jahre, als die Stadt ein Zufluchtsort für bekannte Kriminelle war.
Für 17 Dollar kann man eine Tour buchen und wird von einem Raum zum nächsten geführt mit historischen Fotos, Waffen und anderen Kram und durfte sich dann jeweils zehn Minuten lange Videos über verschiedene Gangster wie Al Capone und Lucky Luciano und andere, die in Hot Springs ihr Unwesen trieben anschauen.
Nach dem dritten Film habe ich mich verabschiedet – wenn ich Filme schauen möchte, gehe ich ins Kino.
Hot Springs Tower
Ein weiteres Highlight der Stadt ist der 65 Meter hohe Aussichtsturm Hot Springs Mountain Tower, der einen weiten Ausblick über Hot Springs und die Ouachita Mountains zu ermöglicht.
Der heutige Hot Springs Mountain Tower wurde 1982–1983 gebaut.
Leider schloss der Turm, entgegen der Google Informationen schon um 18 Uhr, aber allein schon die Fahrt nach oben mit knapp 190 Höhenmeter war ausgesprochen schön.
