Tombstone, AZ, Goodenough Mine

60 Stufen führten recht bequem in den kühlen Untergrund: Forrest, unser Guide, zeigte uns kleine Löcher und Gänge, die früher als Zugang zu den erhofften Reichtümern dienten.

Unten sieht man große Hohlräume, beeindruckend wenn man bedenkt, dass alles was hier fehlt, aus dem hier recht harten Gestein in Handarbeit heraus gehauen wurde. 

Ein Besucher fragte, ob hier – wie im Kohlebergbau in Pensylvania – Kinderarbeit zum Einsatz kam: Antwort Nein; voll verständlich, denn hier 10 Stunden lang mit Hammer und Meißel diesen harten Stein mit 18 inch tiefen Löchern im Abstand von ca. 4 bis 5 inch für Sprengungen mit Dynamit zu versehen, das können nur sehr taffe Männer. Detail am Rand: für diese 10-Stunden-Schicht gab es pro Kopf 3 Kerzen, die jeweils 2 h brannten. Viel Spaß beim Meißeln im Dunkeln.

Mit 4$ pro Tag waren die Miner die bestbezahlten Arbeitskräfte in dieser Zeit; zum Vergleich: Cowboys verdienten 25$ pro Monat. Wenn der Supervisor am nächsten Morgen den Restalkohol der Jungs als zu hoch empfand folgte die sofortige Entlassung. Es wartete immer eine Schlange von Interessierten, die bei dieser Bezahlung liebend gerne einstiegen.

Viele der Miner kamen aus Schottland, Wales, Irland und Schweden; Dadurch waren sie trotz ihrer guten Kaufkraft „underdogs“, die einen Saloon oft nur durch die Hintertür betreten durften. Ihre Reaktion: in der Mine sahen wir einen schmalen Gang, der gerade unter dem größten Saloon endet – ihre Art von Hintereingang. 

Forrest erläuterte, wie immer genau dem Verlauf der schwarzen Silberader entlang abgebaut wurde, wie die Grube mit aufgestapeltem tauben Gestein, mit Pine-Stämmen oder durch Stehenlassen von tragenden Säulen abgestützt wurde.

„Früher war alles besser? – ab in die Mine!“  Kaum ein Miner ist dabei wirklich alt geworden – kein Wunder, denn was wir über die Gesundheitsgefahren hörten, war schlimm: durch den Staub white-lung-disease, eine Silikose, Bleivergiftung durch die hier viel verwendeten Konservendosen, am schlimmsten aber: Silbergewinnung aus dem Erz durch Amalgamisierung, wodurch sehr leicht eine Quecksilbervergiftung erfolgte. All das zusätzlich zu den Gefahren unter Tage durch Verletzungen und Einstürze.

Forrest beeindruckte uns durch Herumreichen eines faustgroßen Erzklumpen mit massivem Gewicht, das Erz wurde typischerweise aus der Mine von den Minern hinausgetragen und dann mit Mulis zum San Pedro Rivers transportiert. Das Fehlen von Wasser in Tombstone machte eine Weiterverarbeitung hier unmöglich. Am San Pedro River gab es dafür die wassergetriebenen Maschinen, zuerst Brecher, dann Kugelmühlen. Eine der darin verwendeten Stahlkugeln wurde herumgereicht – wie eine kleine Kanonenkugel.

Das so entstandene Erzpulver wurde dann mit Quecksilber versetzt, und das Silber durch die Amalgambildung herausgelöst; das Quecksilber musste dann  thermisch entfernt werden – pfui Teufel (sagt der pensionierte Chemiker; Anm. der Gattin).

Übrigens: der San Pedro River ist einer der ganz wenigen Flüsse in Nordamerika, die nordwärts fließen. Nach einem Erdbeben mit Verlagerung des Bettes, vor allem aber nachdem Mexico sechs Dämme für die Bewässerung seiner Landwirtschaft gebaut hat, ist kaum mehr als ein Rinnsal davon übrig geblieben.

Insgesamt eine Tour, die einen guten Gesamteindruck von den damaligen  Zuständen bot, Teilnahme sehr empfehlenswert.

Kosten: 15$/Person