Anza-Borrego State Park, CA Garden Walk

Am Visitor Center gab es eine interessante Führung, um die typischen Pflanzen und ihre Überlebensstrategien kennen zu lernen. Abby Barker erwähnte, dies sei ihre 16. Saison in der sie Interessierten die Pflanzen erklärt. Zuerst machte sie einige Anmerkungen zum Park: der Doppelname Anza-Borrego entstand, weil in den 50ern zwei Stateparks zusammengelegt wurden. Besonders der Schutz der Bighorns stand dabei im Fokus, war doch der Bestand auf weniger als 200 Tiere zusammengeschrumpft; durch die radikale Rückführung der landwirtschaftlichen Nutzung hat sich der Bestand auf heute ca. 1000 Tiere sehr schön stabilisiert.

Anza war der Spanier, der mit 200 Soldaten und deren Familien von Mexiko aus an der Westküste der späteren USA empormarschierte und unter anderem San Francisco gründete. Borrego (Spanisch) leitet sich vom Bighorn Sheep her, dem Wappentier des State Parks.  Anza-Borrego ist der größte State Park Californiens, nur der National Park Joshua Tree ist noch größer; er reicht vom Meeresniveau bis auf 6750 feet hinauf, und beherbergt entsprechend diverse Tier- und Pflanzenarten.

Im Nature Garden hinter dem Visitor Center wurde uns die Hauptpflanze der Sonora  Wüste präsentiert: der Creosot-Busch. „Creosote“ war der schon vorher verwendete Name für Teer von Steinkohle oder Holz, der Geruch des Busches erinnert leicht an den phenolischen Geruch davon, die Spanier nannten den Busch „kleiner Stinker“. Bei Regen wird der Geruch der Pflanze deutlich intensiver, oft beschreibt man dieses Phänomen als „den Geruch von Regen“. Jede Pflanze, die in den extrem trockenen Wüsten überleben will, muss Wasserverlust vermeiden. Sehr kleine oder gar keine Blätter sind oft verwendete Ansätze, harte, wachsartige oder haarige Blattoberflächen vermindern oder verhindern Verdunstung. Viele Pflanzen sehen „tot“ aus, vertrocknet, sind aber in der Lage, sehr schnell wieder auf Wachsen, Blühen und Vermehren umzuschalten, wenn Wasser verfügbar wird, andererseits können sie in dem trockenem Zustand lange Perioden der Trockenheit überstehen. Der Creosot-Busch hat noch weitere Tricks auf Lager: seine Blätter schmecken so schlecht und bitter, dass außer dem Jackrabbit und dem Chuckwalla (eine große Eidechse) kein Tier die Blätter frisst, das Jackrabbit auch nur wenn es gar nichts anderes gibt. Gleichzeitig bildet die Pflanze auch Toxine in ihren weitgefächerten Wurzeln, die andere Pflanzen von ihr fernhalten und ihr so Vorteile beim Konkurrenzkampf um Wasser verschaffen. Das Wurzelsystem hat eine zentrale Pfahlwurzel, die unten nach Wasser sucht, außerdem gibt es ein dicht an der Oberfläche liegendes Wurzelgeflecht. Aus diesen oberflächlichen Wurzeln können Klone der Pflanze entstehen, die als Kolonie rund um die Ursprungspflanze weiterwachsen. Der  King Clone im Lucerne Valley, CA ist die älteste bekannte Kolonie  von Creosot, C14-Datierung ergab 11400 Jahre als Alter! Die Samen, die die Pflanze zusätzlich zu der oben beschriebenen asexuellen Vermehrung auch bilden kann, sind auch wieder behaart, hier dient das dazu, dass der Wind den Samen WEIT wegwehen kann, wieder ist das Grundthema Kampf ums Wasser.  Die einzige Pflanze, die gerne nahe bei Creosot wächst, ist der Burrobusch; da er selber relativ süß schmeckt, nutzt er den Schutz des Creosot, der keine Fressfeinde hat. Creosot bildet schöne leuchtend gelbe Blüten, die von 116 bestäubenden Arten gefruchtet werden. Viele der Einzelbienenarten leben gerne in dem Busch. Interessanterweise dreht sich die Blüte nach der Befruchtung etwas, der nächste Pollinator fliegt dann gleich zur nächsten freien Blüte. Insgesamt ist aber die Ausbeute an Nachkommen aus der Samenbildung deutlich kleiner als aus dem Koloniebildung.

Der Creosot-Busch diente den Indianern als Apotheke: Tee aus Blättern und Zweigen half bei Nierenbeschwerden, Zahnschmerzen und gegen Infektionen; als Massagezusatz gegen Gelenkschmerzen und als Mittel gegen Läuse fanden Pflanzenauszüge Verwendung.  Als „Chaparal Tea“ oder daily tonic kann man so etwas in Kräuterläden kaufen. Abby atmet den Geruch als Mittel gegen ihr Asthma ein, andere berichten von sehr starker allergischer Reaktion auf Creosot. Die Weisheit der Indianer, „wenig, genau richtig dosiert“ einzusetzen grenzt sich von dem Motto „viel hilft viel“ sehr positiv ab.

Sehr deutlich  vom Creosot  unterschied sich der Geruch, der schon bei leichtem Kontakt mit den Blättern des Elephant Tree freigesetzt wurde: ein sehr angenehm limonen-, zitrusartiger Geruch, der fast schon stimmungs-aufhellend wirkt. Interessanterweise war bei den Indianern nur dem Schamanen erlaubt, an dem Baum etwas abzuschneiden, denn dabei blutet es rot aus der Pflanze heraus.

Ebenfalls knall-rot sind die Blüten von Cuparosa, was spanisch für Kolibri steht, die sukkulenten Blätter dieser niedrigen Pflanze machen Platz für die Blüten, die gerne von den HummingBirds angesteuert werden.

Als letzte Spezies wurde die Fächerpalme Washingtonia vorgestellt: sie ist die einzige native Palme in California, und sie ist schon sehr lange hier, zu der Zeit als die Landschaft noch eine viel wasserreichere Savanne war, gab es diese Palme schon. Sie hat sich in einer Million Jahre an die Klima-veränderungen erfolgreich angepasst. Sie braucht oben an der Krone Sonne satt, unten hat sie eine Pfahlwurzel, die am liebsten in ein Wasserreservoir z.B. in einem Canyon endet. Diese Palme ist kein Baum, das sieht man sehr deutlich, wenn man das Innere des Stamms betrachtet, kein Holz wie wir es gewohnt sind, sondern eher ein Grasbündel ist zu sehen. Da die Palme innen sehr naß ist, überlebt sie Feuer besser als viele andere Arten. Sie kann nur kaputtgehen, wenn sie vom Blitz getroffen wird, wenn sie vom Sturm umgestürzt wird und durch einen zu starken Befall mit dem Palm Tree Beetle. Die Indianer verwendeten Teile der Palme für vielerlei Dinge: Häuser, Schuhe, Gefäße, die Früchte wurden gesammelt und gegessen, die Nähe der Palme zeigte einen guten Platz zum Wohnen. Auch Coyoten suchen gerne in der Nähe der Palmen nach Wasser, sie graben, weil sie wissen, dass dort das Grundwasser nicht weit weg ist. Es entsteht ein Wasserloch, zu dem auch viele andere Tiere gerne zum Trinken kommen. Es entsteht eine kleine Oase.

 „2004 wurde durch eine Flash Flood 2/3 der Palmen in unserer schönsten Oase im AB zerstört, es war grässlich und hoffnungslos“, erzählt Abby, “aber die restlichen Palmen haben sich wunderbar vermehrt, heute nach 15 Jahren sieht man kaum noch etwas von der Katastrophe“.