Titan Missile II Tour

02/2019

Dieses Museum stellt die letzte Titan II Rakete und das zugehörende Abschuss-Silo aus, insgesamt ein denkwürdiges Denkmal des Kalten Krieges. Die Titan II war die größte landbasierte Interkontinentalrakete der USA, 103 feet hoch und 10 feet im Durchmesser und in der Lage einen 9 Megatonnen thermonuklearen Sprengkopf zu transportieren. Wenn man sich klarmacht, das im gesamten WW II inklusive der beiden Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki 2-3 MT zum Einsatz kamen, macht die Tatsache, dass das gesamte Titan II Programm aus 54 solcher Raketen bestand, jedem den atomaren Overkill und die damit einhergehenden Gefahren des Kalten Krieges sehr greifbar bewusst.

Die damals herrschende Strategie hatte das Acronym MAD; dies meint die Fähigkeit der gegenseitigen totalen Vernichtung auch im Zweitschlag nach einem atomaren Angriff. Alle technischen Details der Rakete und ihres Silo unterstützen diese Strategie. 1963 wurde das System etabliert, 1987 wurde es nach dem START-Vertrag außer Dienst gestellt. Ein Silo kostete 8,3 Millionen, eine Rakete 2,2 Millionen und der jährliche Betriebsaufwand kostete pro Site ca 2 Millionen: Abschreckung war aufwendig. Es dauerte nur 58 Sekunden, die Rakete zu starten, damit dies möglich wurde, musste von der Firma Martin das Treibstoffsystem komplett umgestellt werden, bisherige Raketen verwendeten immer flüssigen Sauerstoff als Oxidationsmittel, um zusammen mit einem Treibstoff die ungeheuren Energiemengen für die beiden Stufen der Rakete zur Verfügung zu haben. Flüssiger Sauerstoff ist aber nicht in der Rakete lagerfähig, weil man die dafür nötigen tiefen Temperaturen nicht auf Dauer realisieren kann. Die Mischung von Hydrazin mit unsymmetrischem Dimethylhydrazin zusammen mit Stickstofftetroxid lässt sich bei 15,6 Grad C lagern; hinterlässt beim Chemie-Fachmann aber ein ziemlich mulmiges Gefühl, zu Recht: denn es hat immer wieder Unfälle auch mit Toten rund um die Raketen gegeben. Jedes Silo war mit 4 Mann in 24 Stunden Schichten besetzt, bzw. auch Frau, denn diese Aufgabe war der erste Kampfeinsatz der von der Airforce für Frauen zugelassen wurde.

Der Alltag in dem unterirdischen Atombomben sicheren Bunker war erfüllt von Routine: jede Menge Logbücher und Inspektionsreports mussten ausgefüllt werden, es galt ein strenges Zwei-Mann-Prinzip, niemand durfte – außer in der Küche und der Toilette -alleine in der Nähe der Rakete sein, um Probleme zu verhindern. Es gab aufwendige Kommunikationstechnik und im Alarmfall wurde ein Code durchgegeben, der die zwei wachhabenden Offiziere zum Abschuss bereit machte. In der normalen Tour sieht man den Eingang und den Weg zum Kontrollraum und zum Blick auf die Rakete nahe an ihrer Spitze; es gibt auch eine intensivere Tour, auf der man in die Tiefen des Silos hinabsteigt und die Rakete von ganz unten sehen kann. Insgesamt sehr interessant und lehrreich, aber nichts für Klaustrophobiker.